Wenn du mit KI arbeitest und ständig das Problem hast, dass dein Kontext leer ist, also dass die KI nicht mehr weiß, worüber ihr vor zwei Tagen gesprochen habt, dann ist dieser Artikel für dich. Ich zeige dir meinen Prozess. Meine KI vergisst einfach gar nichts mehr und das liegt nicht an einem neuen Modell, sondern an einem System aus Claude Code, Obsidian und einer Handvoll Markdown-Dateien. Ich nenne es Second Brain.
Warum klassische Tools scheitern
Die Idee eines Second Brains ist nicht neu. Es gibt Notion-Templates, es gibt Workflows, es gibt Word-Dokumente, es gibt Excel-Tabellen. Jeder Ort, an dem du dein Wissen ablegst, ist im Grunde ein Second Brain.
Aber: Ein Notizbuch, ein Word-Dokument oder ein Notion-Template musst du aktiv benutzen. Du musst es aktiv mit Inhalt füllen und dir diesen Inhalt vor allem selbst überlegen. Ich persönlich war dafür immer viel zu faul. Ich mag das nicht. Also habe ich es nie wirklich durchgezogen, obwohl es mir extrem gut getan hätte.
Claude plus Obsidian
Seit es Claude gibt, habe ich eine neue Form von Second Brain gebaut: die Kombination aus Claude Code und Obsidian.
Warum Obsidian? Obsidian macht nichts anderes als Markdown-Dateien lesbar darzustellen. Markdown ist deswegen so genial, weil KI diese Dateien sehr gut lesen kann. Obsidian ist der Renderer für dich, Claude ist der Autor. Du bekommst eine saubere Oberfläche, Claude bekommt strukturierten Text. Beide arbeiten auf denselben Dateien auf deiner Festplatte.
Der Bruch mit klassischen Templates: du schreibst nicht mehr selbst rein. Du lässt Claude reinschreiben. Du redest mit Claude und das Wissen wandert automatisch in dein Second Brain.
Das Template
Ich habe ein Template vorbereitet, das du kostenlos herunterladen kannst. Es enthält die Ordnerstruktur, die ich im Alltag nutze: planning, sessions, runbooks, references, projects und einen private-Bereich für sensible Inhalte.
Dazu liegt eine setup.md bei. Das ist die Datei, die du nicht selbst lesen musst. Du gibst Claude den Ordner frei und sagst sinngemäß: "Du bekommst Zugriff auf das Wiki. Ich will das mit dir einrichten. Schau in die setup.md und frag mich alles, was du wissen musst."
Claude stellt dir dann 5 bis 10 Fragen. Wer du bist, was du machst, welche Sprache du bevorzugst, ob Du oder Sie, welche Projekte aktuell laufen. Innerhalb von 10 Minuten ist dein Second Brain einsatzbereit. Keine Template-Klicks, kein Plugin-Chaos, keine Tag-Theorie.
Runbooks sind der Hebel
Die wichtigste Erkenntnis: Ein Second Brain ist nur so gut wie die Prozesse, die du Claude beibringst. Wenn du keine Prozesse hast, also wenn du selbst nicht weißt, wie du Dinge tust, bringt dir das Second Brain wenig.
Ich habe mir einen Tag hingesetzt und meine Abläufe aufgeschrieben: Wie nehme ich ein YouTube-Video auf? Wie starte ich eine Arbeits-Session? Wie sieht meine Woche aus? Wie funktioniert mein Kunden-Onboarding? Wie strukturiere ich meinen Tag?
All das landet in runbooks/. Claude liest diese Dateien vor jeder Aufgabe und weiß automatisch, wie du arbeitest. Du musst den Kontext nie wieder von Hand mitgeben.
Mein Alltag damit
Was ich damit wirklich mache, jeden einzelnen Tag:
- Google Drive sortieren lassen. "Such mal nach Files, die nicht am richtigen Ort liegen." Claude kennt meine Ordnerstruktur aus dem Wiki und räumt auf.
- Mails prüfen. "Lies meine E-Mails und prüf, ob ich in den letzten zwei Wochen was vergessen habe." Claude gleicht Mails gegen Wiki-Aufgaben ab.
- Feature- und Bug-Requests kundenintern prüfen und direkt reparieren.
- Neue Landingpages auf Nexus bauen, ohne einen einzigen UI-Klick. Einfach sagen "bau mir eine Demo-Seite zum Video" und live deployen.
- Strategie-Brainstorming. Während ich denke, schreibt Claude die Zusammenfassung in
strategy/.
Das Token-Argument
Der häufigste Einwand: "Das frisst doch Unmengen an Tokens." Stimmt nicht. Im Gegenteil.
Eine komplette Einrichtungs-Session mit allen Schritten hat bei mir 48.000 Tokens von einer Million Tokens pro Session gebraucht. Ich bin auf dem 200 Euro Max-Plan und nutze nach einer intensiven Woche ungefähr die Hälfte meines Limits. Der 20 Euro Plan reicht für den Einstieg oft.
Warum? Weil Claude mit einem strukturierten Wiki gezielt die richtigen Dateien liest. Ohne Wiki muss Claude in jeder neuen Session den kompletten Kontext neu aufbauen. Das frisst Tokens. Mit Wiki lädt Claude nur die 2 bis 3 Dateien, die für die Aufgabe relevant sind.
Memory und Devisen
Claude Code hat zusätzlich eine eigene Memory-Ebene, die bei jeder Session automatisch geladen wird. Da hinterlege ich meine "Devisen", also Regeln, die Claude immer einhalten muss. Beispiele: "Lies bevor du anfängst die CLAUDE.md im Wiki", "Nutze echte Umlaute", "Niemals Docker Volumes löschen". Diese Regeln sind der Sicherheitsgurt und halten Claude auf Linie.
Der Wettbewerbsvorteil
Wenn du dieses System konsequent durchziehst, bekommst du einen Vorteil, den du dir jetzt noch nicht vorstellen kannst. Claude arbeitet mit deinem Wissensstand, nicht gegen ihn. Entscheidungen sind dokumentiert. Projekte haben Geschichte. Die KI wird zum echten Sparring-Partner, nicht zum Chatbot mit Gedächtnisverlust.
Bedingung: Du musst täglich damit arbeiten. Eine Freundin von mir war begeistert, hat dann zwei Wochen nichts eingetragen und das Wiki war veraltet. Das System funktioniert nur, wenn du transparent machst, was du tust. Ziele kommunizieren. Fertige Aufgaben markieren. Entscheidungen protokollieren lassen.
Dein Job ist nicht mehr, das Wiki zu pflegen. Dein Job ist, mit Claude zu reden. Claude erledigt den Rest.
Selbst ausprobieren
Das komplette Template zum kostenlosen Download plus einen ausführlichen Guide zu Claude, Claude Code und dem Second-Brain-Aufbau findest du unter /claude/guide. Das Setup dauert 10 Minuten.
Wenn du Hilfe beim Aufbau deines eigenen Systems brauchst oder überlegst, wie du KI in deine Firma integrierst, buch dir ein kostenloses Strategiegespräch. Ich zeige dir, wie dein Setup aussehen müsste.
Probier es aus. Es lohnt sich ab Woche eins.


