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VideosBen Scheurer18. Oktober 20268 Minuten

So baust du einen KI-Agenten: Schritt für Schritt mit Atlas und Claude Code

39 KI-Agenten arbeiten in meiner Firma. So baust du deinen ersten: Ziel plus Kontext, eine Akte aus Member, Role und Personality in Atlas und ein Basis-Prompt für Claude Code.

In meiner Firma arbeiten mittlerweile 39 KI-Agenten. Wenn ich das erzähle, ist die Reaktion fast immer dieselbe: Man kann KI-Mitarbeiter einstellen? Man kann, und es ist deutlich einfacher, als die meisten denken. In diesem Artikel zeige ich dir, was einen KI-Agenten von einem normalen Chat unterscheidet und wie du deinen ersten eigenen Agenten baust.

Die Kurzfassung: Ein KI-Agent ist eine KI, der du ein Ziel gibst und dazu den Kontext, um es allein zu erreichen. Bei mir bekommt jeder Agent eine Akte aus drei Dateien in Atlas: Member, Role und Personality. Atlas macht daraus einen Basis-Prompt, den du in Claude Code einfügst. Ab dann arbeitet ein eigener Chat für dich wie ein Mitarbeiter.

Das Video zu diesem Artikel: So baust du einen KI-Agenten (Schritt für Schritt).

Was einen KI-Agenten von einem Chat unterscheidet

Wenn du mit Claude oder ChatGPT schreibst, antwortet dir eine KI. Du stellst eine Frage oder gibst eine Aufgabe ab, sie liefert eine Antwort.

Agentisch wird es, wenn du statt einer Aufgabe ein Ziel vorgibst. Ein einfaches Beispiel: "Bereite mir ein Referat zum Thema Buchhaltung vor." Wie das Referat aufgebaut ist, ob es eine PowerPoint gibt, ein Skript oder gar keine Präsentation, entscheidet die KI selbst. Das ist ihre Entscheidung.

Was du mitgibst, ist der Kontext: in welchem Rahmen das Referat stattfindet und woran man ein gutes Referat erkennt. Bei einem Referat ist das überschaubar. Bei Buchhaltung oder einem Computerprogramm ist es deutlich mehr, aber das Prinzip bleibt gleich.

Ein KI-Agent ist also immer die Kombination aus einem Ziel und dem Kontext, der dieses Ziel unterstützt. Bringst du beides zusammen, hast du einen Agenten, der für dich arbeitet.

Schema: Ziel plus Kontext ergibt einen KI-Agenten, der selbst entscheidet, wie er das Ziel erreicht
Ein KI-Agent ist die Kombination aus einem Ziel und dem Kontext dazu.

Warum Claude erst lernen muss, allein zu arbeiten

Claude und ChatGPT sind darauf ausgelegt, interaktiv zu arbeiten. Claude antwortet mir, ich antworte Claude, und so geht es hin und her. Für einen Agenten muss ich Claude beibringen, Aufgaben schrittweise abzuarbeiten.

Am Anfang bespricht der Agent mit mir den Kontext, die Ziele und wie er vorgehen soll. Danach lasse ich ihn arbeiten. Das funktioniert am besten mit einer etwas längeren Planungsphase und einer klaren Umsetzungsphase danach.

Die Mitarbeiterakte: Member, Role und Personality

Meine Agenten leben in Atlas. Jeder hat dort eine Art Mitarbeiterakte aus Markdown-Dateien, also einfachen Textdateien, in denen Inhalt und Kontext zum Agenten stehen:

  • Member: die Grundlage. Zum Beispiel: "Du bist Anwalt und berätst Start & Connect in Rechtsfragen."
  • Role: die Rolle im Unternehmen. Welche Aufgaben der Agent hat, wie er arbeiten soll und welche Position er einnimmt, ob Führung, operative Arbeit oder Beratung.
  • Personality: die Persönlichkeit. Die hat nicht jeder Agent, aber viele.

Hat ein Agent eine Persönlichkeit, bekommt er bei mir meistens auch einen Namen. Mein COO, also der Agent für das operative Geschäft, hat keine. Meine Assistentin heißt Donna, nach Donna aus der Serie Suits, und hat genau ihre Persönlichkeit. Mein Anwalt heißt Harvey, nach Harvey Specter aus derselben Serie, mit seiner Persönlichkeit zu seinen besten Zeiten und ohne seine Schwächen.

Die Akte eines KI-Agenten in Atlas aus den Dateien MEMBER, ROLE und optional PERSONALITY, darunter der Ablauf: Akte anlegen, Basis-Prompt kopieren, in Claude Code einfügen, eigener Chat arbeitet
Drei Dateien bilden die Akte, der Basis-Prompt bringt den Agenten in Claude Code.

So baust du dir einen Harvey Specter

Bevor du anfängst, überlegst du dir drei Dinge: Welche Agenten brauchst du überhaupt, etwa einen Anwalt oder einen Steuerberater? Welche Rolle sollen sie haben? Und welche Persönlichkeit?

Wenn du einen Agenten willst, der sich auf eine ganz bestimmte Art verhält, ist eine bekannte Figur ein guter Ausgangspunkt. Für Harvey Specter bin ich so vorgegangen:

  1. Analysevideos zu Harvey Specter suchen. Davon gibt es sehr viele.
  2. Die Videos von einer KI transkribieren lassen.
  3. Das Transkript einer KI geben, die daraus herausarbeitet, wie Harvey sich verhält: typische Zitate, Verhaltensweisen und Muster, mit denen er dominanter und direkter wirkt.
  4. Diese Auswertung einer KI geben, die daraus den Agenten baut und Member, Role und Personality in Atlas anlegt.

Atlas hat dafür alles vorbereitet. Du sagst nur noch, dass der Agent angelegt werden soll.

Der Basis-Prompt: so kommt der Agent in Claude Code

Jetzt wird es kurz technisch. Damit der Agent arbeiten kann, braucht er einen Basis-Prompt, also die Startanweisung, mit der ein Chat weiß, wer er ist und wo seine Akte liegt.

  1. In Atlas oben rechts auf "Basis-Prompt" klicken.
  2. "Basis-Prompt kopieren" wählen.
  3. Den Prompt in einen neuen Chat in Claude Code einfügen. Das geht auch mit anderen Werkzeugen wie Codex, ich arbeite mit Claude Code.
  4. Die Rückfragen des Agenten beantworten. Hier stellst du fein ein, was noch offen ist, zum Beispiel ob Harvey besonders hart oder eher weich auftreten soll.

Danach hast du in Claude Code einen eigenen Chat, der bei mir Harvey Specter heißt. Diesen Chat lösche und archiviere ich nie. Das ist jetzt mein Anwalt.

Jeder Agent bekommt seinen eigenen Ordner

Ein Tipp, bevor du loslegst: Lege jeden neuen Agenten in einem eigenen, leeren Ordner an. Dann speichert er seine eigenen Erinnerungen in den Claude Memories, und du kannst Hooks pro Agent einrichten. Hooks sind kleine automatische Skripte, die zum Beispiel beim Start eines Chats laufen.

Ich hatte anfangs einen anderen Ansatz: ein einziges Claude-System für die ganze Firma, mit einem gemeinsamen Kontext und einem gemeinsamen Gedächtnis. Das hat ständig Probleme gemacht. Agenten haben Dinge getan, die sie nicht durften, oder wollten auf Bereiche zugreifen, für die ein anderer Agent verantwortlich war. Deshalb trenne ich heute bewusst, und das geht am einfachsten über die Ordnerstruktur: ein Ordner pro Agent.

Wie Atlas das Team und die Rechte dahinter verwaltet, steht im Artikel Team in Atlas verwalten. Warum ein Second Brain für KI anders gebaut sein muss als eine Notiz-App, erkläre ich in Warum Notion und Obsidian kein Second Brain für deine KI sind.

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Agenten mit deinen Tools verbinden

Ein Agent wird richtig nützlich, wenn er an deine Werkzeuge kommt. Dafür gibt es den Connector, ein zweites Tool, das ich gebaut habe. Darüber gibst du einem Agenten zum Beispiel Zugriff auf deinen Server, deine Notion-Datenbank oder dein GitHub.

Anbinden lässt sich jedes Tool, das einen MCP-Server oder eine API hat. MCP ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen mit anderen Programmen sprechen, eine API ist die Programmierschnittstelle eines Dienstes. Einmal im Connector verbunden, steht das Tool deinem Claude und damit allen deinen Agenten zur Verfügung.

Mein Organigramm mit 39 KI-Agenten

Ganz oben stehe ich, darunter die Führungsebene und ein Beraterstab, zu dem auch Harvey gehört. Donna ist meine Assistentin. Dazu kommen die Agenten für die laufende Arbeit, zum Beispiel:

  • der Steuerberater, der die laufende Buchhaltung macht
  • der Anwalt, der mich in Rechtsfragen berät und für mich recherchiert
  • der Webdesigner, der meine Website und meinen Shop baut
  • der Videocutter, der meine Videos schneidet
  • der Thumbnail-Creator und der YouTube-Agent, die Thumbnails und Titel machen. Alle Videos, die du gerade von mir siehst, sind über den YouTube-Agenten entstanden.

Solo, und so produktiv wie 40 Leute

Ich arbeite weiter meine zwölf bis 14 Stunden am Tag. In dieser Zeit schaffe ich aber gefühlt so viel wie 40 Mitarbeiter, weil mir die Agenten einen großen Teil der Arbeit abnehmen. So kann ich als Solo-Unternehmer viele Kunden betreuen und Software sehr günstig anbieten.

Einen Agenten baust du einmal, danach kannst du ihn zu allem fragen, wofür er zuständig ist. Atlas kannst du 14 Tage kostenlos testen, danach kostet es 29 Euro im Monat zzgl. MwSt., und du legst so viele Agenten an, wie du willst.

So stellst du deinen ersten Agenten ein

  1. Überleg dir, welche Agenten du brauchst und wie deine Organisationsstruktur aussehen soll.
  2. Leg in Atlas für den ersten Agenten Member, Role und bei Bedarf eine Personality an.
  3. Kopier den Basis-Prompt und füg ihn in einem eigenen, leeren Ordner in Claude Code ein.
  4. Beantworte die Rückfragen und stell den Agenten fein ein.
  5. Verbinde ihn über den Connector mit den Tools, die er braucht.

Wer mit Claude Code noch nicht eingerichtet ist, startet am einfachsten mit dem kostenlosen Claude Code Starterkit.

Kapitel im Video

  • 00:00 39 KI-Mitarbeiter, und so geht das
  • 00:51 Was einen KI-Agenten vom Chat unterscheidet
  • 02:15 Ziel plus Kontext ergibt einen Agenten
  • 03:04 Die Mitarbeiterakte: Member, Role, Personality
  • 04:21 Warum meine Assistentin Donna heißt
  • 05:24 So baust du dir einen Harvey Specter
  • 06:16 Der Basis-Prompt aus Atlas in Claude Code
  • 07:25 Jeder Agent bekommt seinen eigenen Ordner
  • 07:52 Warum ein System für alles gescheitert ist
  • 08:37 Agenten mit deinen Tools verbinden
  • 09:13 Mein Organigramm mit 39 KI-Agenten
  • 10:06 Solo, und so produktiv wie 40 Leute
  • 11:05 So stellst du deinen ersten Agenten ein

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Agenten und einem Chatbot?

Einem Chatbot gibst du eine Aufgabe, und er antwortet. Einem KI-Agenten gibst du ein Ziel und den Kontext dazu, und er entscheidet selbst, wie er es erreicht.

Welche Dateien braucht ein KI-Agent in Atlas?

Drei: Member für die Grundlage, Role für Aufgaben und Rolle im Unternehmen und optional Personality für die Persönlichkeit.

Brauche ich Claude Code für einen KI-Agenten?

Ich arbeite mit Claude Code. Der Basis-Prompt aus Atlas funktioniert aber auch mit anderen Werkzeugen wie Codex.

Warum bekommt jeder Agent einen eigenen Ordner?

Damit jeder Agent sein eigenes Gedächtnis und eigene Hooks hat und nicht in die Zuständigkeit anderer Agenten greift.

Was kostet Atlas?

Atlas kannst du 14 Tage kostenlos testen. Danach kostet es 29 Euro im Monat zzgl. MwSt., mit beliebig vielen Agenten.

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