Videoschnitt mit KI: wie Claude meine Videos und Thumbnails macht
Dieses Video hat Claude geschnitten, mit Einblendungen, Musik und Thumbnail. Wie das über Final-Cut-Projektdateien funktioniert und warum ein Thumbnail jetzt rund 50 Cent kostet.
Vor ein paar Wochen habe ich noch behauptet, KI könne keine Videos schneiden. Das muss ich zurücknehmen. Das Video zu diesem Artikel hat Claude geschnitten, mit Einblendungen, Musik, Thumbnail und Titel, und es auch bei YouTube eingeplant. Hier steht, wie ich dahin gekommen bin und was du daraus für deine eigene Automatisierung mitnehmen kannst.
Die Kurzfassung: Claude schreibt eine Projektdatei für Final Cut Pro, die ich dann öffne. Zwei Wochen lang habe ich ihm beigebracht, wie ich schneide und wie meine Einblendungen aussehen. Thumbnails bauen heute Subagenten, eins kostet mich rund 50 Cent. So sind an einem Abend sieben YouTube-Videos und 30 Kurzvideos entstanden.
Das Video zu diesem Artikel: Dieses Video hat Claude geschnitten.
Warum ich keine Zeit mehr für Schnitt habe
Ich mache Content für Instagram, LinkedIn und YouTube, und zwar eine ganze Menge. Das alles muss geplant, produziert und geschnitten werden. Ich habe Zeit, Menschen zu beraten, in Meetings zu sitzen und neue Software zu entwickeln. Für Videoschnitt habe ich keine Zeit, und ehrlich gesagt auch keine Lust mehr.
Deshalb habe ich meiner KI über zwei Wochen beigebracht, Videos zu schneiden und Thumbnails zu bauen. Der Weg dahin war, ganz offen, ziemlich nervig.
Was am Anfang nicht funktioniert hat
Bis vor rund fünf Wochen habe ich meine Videos selbst in Final Cut geschnitten. Dann habe ich zwei Wege ausprobiert:
- Final Cut direkt mit KI steuern. Das war langsam und das Ergebnis schlecht.
- Das fertige Video von einer KI rendern lassen. Auch das hat nicht funktioniert.
Der Durchbruch: Final-Cut-Projektdateien
Die Lösung war die Schnittstelle. Ein Kumpel hat mir erzählt, dass man Final-Cut-Pro-XML-Dateien erstellen lassen kann. Das ist ein Dateiformat, in dem ein ganzes Schnittprojekt als Text beschrieben ist: welche Clips, in welcher Reihenfolge, mit welchen Einblendungen und Tonspuren. Final Cut öffnet so eine Datei wie ein normales Projekt.
Claude schreibt also das Projekt, und ich öffne es in Final Cut. Danach habe ich mit der KI einen ganzen Schnittprozess darum herum entworfen. Das war mit Abstand das Krasseste, was ich bisher gebaut habe.

Musik, Soundeffekte und Bilder von KI
Nur weil eine KI schneiden kann, wird daraus noch kein gutes Video. Also habe ich weitere Dienste angebunden:
- Epidemic Sound für Soundeffekte
- Suno, eine KI, die Songs erzeugt, für die Hintergrundmusik. Die Musik im Video ist KI-generiert.
- ein KI-Bildgenerator für Bilder und B-Roll, also Zwischenbilder, die das Gesagte zeigen
Wie die KI meinen Stil gelernt hat
Der wichtigste Schritt war, der KI meinen Stil beizubringen. Wie die Einblendungen aussehen und wann sie einfliegen. Wie die Textzeilen unten im Bild gestaltet sind und welche Wörter farbig markiert werden. Dass bei Aufzählungen Textfelder neben mir erscheinen, Punkt für Punkt.
All das musste ich der KI einmal als Vorlagen vorgeben. Erst dann hat sie verstanden, was sie machen soll.
Kurzvideos aus dem Breitformat
Bei Kurzvideos ist es dasselbe. Ich nehme sie im Breitformat auf, genau wie die langen Videos. Die KI baut daraus das Hochformat, mit Animationen und allem, was ein Video auf Social Media braucht, damit es im besten Fall gut Reichweite bekommt. Das läuft inzwischen so automatisch, dass ich mir darüber keine Gedanken mehr mache.
Thumbnails: wochenlang nur Fehlschläge
Beim Thumbnail lief es genauso. Über Wochen und Monate hat mein Prozess nicht funktioniert. Ich habe Bilder mit Gemini erzeugt, in Canva hochgeladen und Text daraufgesetzt. Ehrlich gesagt sahen die alle schlecht aus.
60 Thumbnails für 10 Euro
Irgendwann hat es mir gereicht. Ich habe rund 10 Euro investiert und die KI einen Subagenten starten lassen, also einen zweiten KI-Prozess mit einer eigenen Teilaufgabe. Sein Auftrag: 60 verschiedene Thumbnails für sechs Videos bauen.
Die sahen alle gut aus, hatten aber jeweils Kleinigkeiten. Mal waren die Zähne zu groß oder das Lächeln zu breit, mal das Gesicht zu breit oder zu schmal. Für jedes Video gab es trotzdem mindestens ein Thumbnail, bei dem ich gesagt habe: Das ist richtig gut.
Daraus habe ich den Schluss gezogen: Wenn das für sechs Videos klappt, dann klappt es für jedes Video. Die KI soll also für jedes neue Video mehrere Fassungen bauen und sie mir übersichtlich in einem Artefakt zeigen, einer Art kleiner Website.
Mein Thumbnail-Prozess heute
- Die KI startet drei Subagenten.
- Jeder Subagent baut zwei bis drei Thumbnails.
- Aus diesen Entwürfen wird ein Thumbnail pro Video ausgewählt.
Das kostet mich je Video rund 40 bis 50 Cent bei meinem KI-Anbieter. Mindestens genauso wichtig ist, was das im Kopf macht: Ich habe wieder richtig Lust, Videos aufzunehmen. Vielleicht werden es bald drei Videos pro Woche und jeden Tag ein Kurzvideo.

Erst die Grundlage, dann die Automatisierung
Beide Prozesse haben eines gemeinsam: Erst habe ich mich einmal hingesetzt und eine gute Grundlage geschaffen. Mit dieser Grundlage habe ich dann die Automatisierung gebaut.
Ein spezielles Automatisierungstool brauche ich dafür nicht. Atlas nutze ich für den Kontext und damit sich die KI die Abläufe merkt, in Form von Playbooks. Das sind Anleitungen, die man auch Skills nennen kann. Die eigentliche Arbeit macht Claude.
Wie ein solcher Agent aufgebaut ist, von der Mitarbeiterakte bis zum eigenen Ordner, zeige ich im Artikel So baust du einen KI-Agenten.
Sieben Videos und 30 Kurzvideos an einem Abend
Ich bin zu diesem Prozess gekommen, weil ich nicht lockergelassen habe. Ich wollte nicht immer wieder denselben Ablauf von Hand anstoßen. Das Ergebnis: An einem Abend habe ich sieben YouTube-Videos und 30 Kurzvideos vorproduziert. Als ich das Video aufgenommen habe, war es fast halb sechs Uhr morgens.
Was du daraus mitnehmen kannst
Gib nicht auf, nur weil der erste Entwurf einer KI nicht funktioniert. Überleg dir lieber, wo du ansetzen musst, damit es funktioniert. Mit den richtigen Anbindungen kann eine KI heute erstaunlich viel.
Die Werkzeuge, die ich dafür nutze und gebaut habe:
- den Connector, um Anbindungen zu bauen
- Atlas, um Wissen zu speichern
- Quitt für die Buchhaltung
- Nexus für den eigenen Shop
- Spotlight für die eigene Website
Echo, mein neues Content-Tool
Dazu kommt Echo, unser neues Tool. Damit plane ich meinen Content und mein ganzes Social-Media-System, YouTube genauso wie Instagram und die anderen Plattformen. Für die Veröffentlichung arbeiten wir mit Zernio zusammen. Echo kostet 19 Euro im Monat.
Kapitel im Video
- 00:00 Ich lag falsch: KI kann Videos schneiden
- 00:24 Warum ich keine Zeit mehr für Schnitt habe
- 01:20 Was am Anfang nicht funktioniert hat
- 01:50 Der Durchbruch: Final-Cut-Projektdateien
- 02:15 Musik, Soundeffekte und Bilder von KI
- 02:35 Wie die KI meinen Stil gelernt hat
- 03:25 Shorts aus dem Breitformat
- 03:55 Thumbnails: wochenlang nur Fehlschläge
- 04:17 60 Thumbnails für 10 Euro
- 04:57 Mein Thumbnail-Prozess heute
- 06:03 Erst die Grundlage, dann die Automatisierung
- 06:51 7 Videos und 30 Shorts an einem Abend
- 07:17 Was du daraus mitnehmen kannst
- 08:04 Echo, mein neues Content-Tool
Häufige Fragen
Kann eine KI Videos schneiden?
Ja, wenn sie über die richtige Schnittstelle arbeitet. Bei mir schreibt Claude eine Projektdatei für Final Cut Pro, die ich dann öffne. Final Cut direkt zu steuern oder ein fertiges Video rendern zu lassen hat bei mir nicht funktioniert.
Was ist eine Final-Cut-Pro-XML-Datei?
Eine Textdatei, die ein komplettes Schnittprojekt beschreibt: Clips, Reihenfolge, Einblendungen und Tonspuren. Final Cut öffnet sie wie ein normales Projekt.
Wie lange hat es gedauert, der KI das Schneiden beizubringen?
Rund zwei Wochen.
Was kostet ein Thumbnail mit KI?
Bei meinem Prozess rund 40 bis 50 Cent pro Video. Der erste Versuch mit 60 Thumbnails für sechs Videos hat rund 10 Euro gekostet.
Welche Werkzeuge stecken im Prozess?
Claude für Schnitt und Thumbnails, Final Cut Pro, Epidemic Sound für Soundeffekte, Suno für Musik und Atlas für den Kontext und die Playbooks.